Intel Skylake: Stromsparen statt Leistung?

Mit großer Erwartung und viel Verzögerung kommen endlich die neuen Intel Skylake Prozessoren der 6. Intel-Core Generation auf den Markt. Lenovo, Medion, Tuxedocomputers und Co verkaufen passend zum Weihnachtsgeschäft fleißig die neuen Rechenkerne. Doch was bringt das lange warten an Nutzen für den Endbenutzer? Ein Vergleich mit Werten von cpubenchmark.net.

Ich möchte für diesen Vergleich einen Anker setzen: Die Referenz ist der Intel Core i5-3210M, welcher nicht nur oft verkauft wurde, sondern auch in meinem Laptop (ThinkPad L430) steckt. Der Chip ist seit Mitte 2012 auf dem Markt, mein Laptop stammt von Dezember 2012. Für den Vergleich nehme ich generell 2 Werte: Die TDP – die theoretisch maximale Wärmeverlustleistung in Watt und die durchschnittliche Benchmark-Punktzahl von der Seite cpubenchmark.net.

Die Referenz: i5-3210M von Mitte 2012

Dieser über 3 Jahre alte CPU hat eine TDP von 35 Watt und eine Punktzahl von 3790. Je mehr Watt, desto schneller ist der Akku leer, aber desto höher die Punkte. Da Prozessoren mit der Zeit immer effizienter werden, sollten die Neuen eine ähnliche Punktzahl mit weniger Watt oder vice versa bieten.

Drei Jahre später – die 6. Generation

Die ersten beiden veröffentlichten CPUs der aktuellen Generation war der i5-6600K und der i7-6700K – leider waren beide nur für den Desktop. Einer der inzwischen am meisten verbauten Prozessoren für Laptops ist der i5-5200U – viele aktuellen ThinkPads sind mit diesem Kern bestückt. Der 5200U hat eine TDP von nur noch 15 Watt, was weniger als die Hälfte des Stromverbrauches ist! Dafür ist die Leistung jedoch… auf 3543 Punkte geschrumpft. Really? Vielleicht nur eine Ausnahme.

Wer bei ThinkPads etwas mehr Leistung haben möchte, kann zum i7-5600U greifen. Dieser hat ebenfalls nur eine TDP von 15 Watt, dafür jedoch eine Punktzahl von 4345. Also, ein kaum spürbarer Unterschied zum 3 Jahre alten i5.

Akkulaufzeit über alles?

Zumindest Lenovo geht mit den aktuellen Business Laptops eindeutig in Richtung Akkulaufzeit. Böse Stimmen behaupten Apples MacBooks, Smartphones und Tablets werden hier als allgemeingültiges Vorbild genommen und die Werte dieses Unternehmens über die Bedürfnisse der Verbraucher gesetzt. Nur so ist zu erklären, warum zwar der Akku plötzlich doppelt so lange hält, aber die Leistung des veralteten Opas sogar noch schneller ist.

Leider findet man dies in nahezu allen aktuellen ThinkPads (außer der W Serie, welche aber generell eher unbezahlbar ist). Wer etwas mehr Leistung haben möchte, muss entweder in die Consumer-Ecke IdeaPad & Co gehen oder sich gleich bei der Konkurrenz umschauen. Ab geht es zu den neusten Modellen von Tuxedocomputers.

Die echten Skylake Prozessoren

In den neuen 15″ Laptops finden sich schon ganz andere Prozessor Namen. Hier finden sich Namen i3-6100T, i5-6500T, i7-6700T, i5-6300HQ, i7-6700HQ und – als Energiesparprozessoren deklariert – auch die bei Lenovo genannten. Da ich auf alle hier genannten Prozessoren eingehen möchte, folgt hier eine kleine Tabelle mit den Leistungsdaten.

CPU TDP (Watt) Punkte
i3-6100T 35 4690
i5-6500T 35 6137
i7-6700T 35 9160
i5-6300HQ 45 5619
i7-6700HQ 45 8015

Die Prozessoren benötigen zwar nicht weniger Strom, dafür bieten sie jedoch eine deutlich gesteigerte Leistung. Wer seinen Computer zum Surfen und für Pages und Numbers benutzt, mag vielleicht mit den Prozessoren der U Serie auskommen. Wenn man jedoch seinen Computer nicht nur zum Zeitvertreib benutzt, kann man mit Prozessoren der T oder HQ Serie auch mobil eine vernünftige Leistung bekommen.

Das einzige Problem ist die Verfügbarkeit. Wenn ein Laptop Hersteller entscheidet nur die Ultramobile Prozessoren zu verbauen, dann kann man als Kunde nichts daran ändern. Entweder schaut man sich nach einer anderen Marke um oder muss sich mit veralteter Leistung abfinden. So schön eine Akkulaufzeit von 10 Stunden ja sein mag, wenn dadurch die Usability des Laptops verloren geht, ist es nicht der Prozessor den man benötigt.

Skylake ja – aber mit Bedacht

Wer in den nächsten Monaten mit dem Kauf eines neuen Laptops liebäugelt kann ruhigen Gewissens zu einem Skylake Prozessor greifen. Jedoch sollte man hier genau auf den Prozessor Typen achten. Die Einteilung i3, i5 und i7 ist für die Leistungsunterscheidung komplett zu vernachlässigen. Die Kürzel U, Y oder H sind bei jeglichen Low-Power Prozessoren vorhanden. Hier kann man zwar kräftig Strom sparen, dafür ist die Leistung am unteren Ende der Skala. Wer einen Laptop mit HQ oder T Prozessor findet, hat schon eher ein kleines Kraftpaket.

Mit Skylake sollte man also stets bedenken: „Augen auf, beim Laptopkauf!“ – dies gilt jetzt mehr als je zuvor.

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